Dein Selbstwertgefühl und das Glaspfand

Oder: Warum Witze auch daneben gehen können

Ich habe ja im Zusammenhang mit meiner Straußwirtschaft im Ringer Zechenhaus auf dem Oberharzer Bergbauernmarkt von Mai bis Oktober einen Weinstand. Und da der Markt abends stattfindet, schenke ich den Wein nur aus; Flaschenweinverkauf ist bei mir dort aus Kapazitätsgründen nicht möglich, denn  ich habe für noch mehr Weinflaschen einfach nicht genug Platz in meinem alten Hanomag.
In den fünf Jahren, die ich jetzt schon dabei bin, hat sich eine treue Fangemeinde entwickelt.
Ich schätze mal, dass ich 90 % Stammkundschaft habe. Viele kommen jede Woche, manche einmal im Jahr bei ihrem alljährlichen Harzurlaub, andere Touris einmal und dann nicht wieder, weil sie eben nur einmal den Harz besucht haben, und so manche „Neue“ aus der Region entwickeln sich zu Stammkundschaft, wenn sie erst einmal bei mir waren.

Zur Stammkundschaft zähle ich auch jenen ortsansässigen Unternehmer, Herrn X, dessen Regelmäßigkeit darin besteht, dass er nur bei richtig schönem Wetter kommt, das aber dieses Jahr donnerstags leider selten war.
Um ihn geht es heute in meiner Geschichte, die gleichzeitig ja eine Analyse menschlichen Verhaltens aufgrund meines Selbstwert-Logikbaumes darstellt.

Herr X kommt immer mit seinen Angehörigen, keine Ahnung ob es alles Verwandtschaft ist oder auch Geschäftspartner mit Frauen und Kindern. Ist auch egal.
Für mich zeichnet er sich dadurch aus, dass er der einzige meiner Stammkundschaft ist, den ich nicht leiden kann.
Zum Glück habe ich 99,99 % wirklich nette Menschen, die da donnerstags um mich rum stehen und meinen Wein genießen.
Herr X. gehört für mich nicht dazu.
Er bewegt sich nämlich überwiegend auf dem linken Ast meines Selbstwert-Logikbaumes, d.h. so wie ich ihn erlebe, stärkt er sein Selbstwertgefühl immer wieder vor allem mit Witzen auf Kosten anderer.
Zum Beispiel ruft er jedes Mal, wenn er sein Glas leer hat, „Bedienung“ und ignoriert, dass auf einem Markt immer das Selbstbedienungsprinzip herrscht und wir zu tun haben. Und jedes Mal, wenn er sich oder seinen Angehörigen dann doch selbst ein neues Glas Wein holt, will er für das leere Glas Glaspfand zurück haben, das ich gar nicht erhebe. Er sagt das dazu noch mit einem ernsten Gesichtsausdruck und in herrischem Ton.
Wie witzig!!!

Herr X macht mit diesen Witzchen deutlich, dass er die von mir aufgestellten Regeln in meinem Geschäft, d.h. an meinem Weinstand
nicht akzeptieren
will. Bei mir kommt an, dass er mit meinem Angebot nicht zufrieden ist und dass er gerne ein anderes System hätte.
Als Hochsensible spüre ich das sehr genau und es kratzt mich auch in meinem eigenen Selbstwertgefühl an, denn mir geht es am besten und ich fühle mich am stärksten, wenn es auch allen meinen Gästen gut geht. Aber dem einen da gefällt es scheinbar nicht.

Witze können immer dann sehr daneben gehen,
– wenn sie ständig wiederholt werden,
– wenn sie die Wahrheit verbergen sollen und
– wenn sie auf Kosten anderer gemacht werden, die sehr wohl spüren, wie sie eigentlich gemeint sind.
Und wir Hochsensible sind halt besonders empfänglich für das, was hinter dem Gebaren eines Menschen steht.

Überlege Du Dir bitte gut, wann Du wem gegenüber welche Witze reißt. Und wenn Du zu der Erkenntnis kommst, dass Du sie gerade deshalb nötig hast, weil Du Dich damit über andere stellen und Dein Selbstwertgefühl aufpolieren möchtest, dann such Dir doch lieber eine bessere Methode, Dich zu stärken. Einen Tipp hätte ich da in dem Blogartikel zum Winzerweck. Wenn Du hier klickst, findest Du ihn.

Willst Du mehr über den Selbstwert-Logikbaum wissen? Dann klicke hier und Du kommst zu meinem kostenlosen Webinar, in dem ich Dir erkläre, was es damit auf sich hat.

Deine Christiane Kilian

2 Comments

  • RgB

    2. November 2017

    Liebe Christiane,
    danke für den schönen Artikel.
    Es kommt mir so bekannt vor.
    Auch ich bin hochsensibel und reagiere schon allein auf Begriffe sehr empfindlich. Da sind Beleidigungen oder Witze auf Kosten anderer, so lustig sie gemeint sein mögen, absolut nichts für mich.
    Bei mir selbst habe ich festgestellt, dass ‘lustige’ Sticheleien IMMER einen wahren Kern haben. Und den möchte ich dann doch lieber bewusst und klar äußern als vor einer ganzen Gruppe unterschwellig. Oder eben gar nicht.
    So halte ich ich mittlerweile aus solchen Gesprächen heraus, statt mitzumachen, “weil es halt dazugehört”.
    Damit geht es mir selbst schon deutlich besser. Und seit ich mir auch anmerken lasse, dass ich solche Sprüche nicht lustig finde, sind sie mir gegenüber sehr selten geworden.
    Einzelne Personen dürfen es – da spüre ich, dass es liebevoll gemeint ist, wenn es um meine persönlichen Macken geht.
    Und bei allen anderen bin ich mir ziemlich sicher, dass ihnen nicht bewusst ist, was sie da gerade wirklich für eine Botschaft übermitteln und wieviel davon doch ernst gemeint ist. Bekannte lasse ich reden, Freunde spreche ich gelegentlich darauf an. Vor allem aber nehme ich es nicht mehr persönlich. Weil es ziemlich sicher auch nicht persönlich gemeint ist.
    Das macht zwar immer noch keinen Spaß, aber ich kann gut damit leben, wo ich mich früher unglaublich unwohl gefühlt habe und lieber komplett fern gehalten hätte.

    Auf nur beinahe schönes Wetter an den Donnerstagen im nächsten Sommer! 😉

    • Christiane Kilian

      2. November 2017

      Liebe Regine, danke für Deine Gedanken in diesem Kommentar. Ja, ich kenne das ja auch gut und es gibt viele Situationen, die mich antriggern und durch die ich mich verletzt fühle. Aber seit ich meinen Selbstwert-Logikbaum habe, verstehe ich mich und alle anderen besser. Und das Verstehen trägt dazu bei, dass ich mich abgrenzen kann. Ich weiß jetzt, warum die Witze auf meine Kosten machen. Nämlich weil sie sich aufbauen müssen, ndem sie mich abwerten. Das hat mit ihnen zu tun und nicht mit mir. Mit diesem Wissen kann ich das besser von mir abprallen lassen.
      Wir finden unseren Weg udn es wird im Leben immer besser werden. Auch und gerade als Hochsensible!
      Dir wünsche ich erstmal eine schöne Winterzeit!