Dein Selbstwertgefühl und das Parken

oder: Was meine Hilflosigkeit mit Fußball zu tun hat

Gestern war es mal wieder soweit. Zum Glück kommt das nur 4 – 6 Mal im Jahr vor – aber trotzdem!

Meine Straußwirtschaft im schönen Ringer Zechenhaus liegt direkt neben einem Sportplatz. Und zum Sportplatz gehört ein großer Parkplatz. Von der Straße zum Sportplatz aus geht die Einfahrt zu meinem Gästeparkplatz auf meinem Grundstück ab, den ich für mein Gaststätte hier auch vorhalten muss. Meist reicht der große Parkplatz für die Fußballer, ihre Fans und ihre Angehörigen aus, aber ein paar Mal im Jahr gibt es größere Veranstaltungen und dann wird es da nicht nur eng, sondern richtig voll.

Und gestern war es mal wieder soweit: Einer parkte direkt in meiner Einfahrt, so dass weder ich raus noch meine Gäste rein konnten.

Ich bin jedes Mal fassungs- und sprachlos darüber und kann nur schimpfen und den Kopf schütteln über so viel Doofheit und Dreistigkeit.

Wenn ich mir die Situation mit meinem Selbstwert-Logikbaum anschaue, sieht das aus Sicht des Falschparkers vermutlich so aus:

Er hatte schlecht für sich gesorgt oder vielleicht kam auch von außen etwas, das ihn hinderte, rechtzeitig zum Spiel loszufahren. D.h. er kam an, als die Parkplätze schon alle belegt waren. Da er aber in Zeitdruck war, d.h. Druck verspürte und sein Wunsch nach einem günstig gelegenen Parkplatz nicht erfüllt wurde, fühlte er sich klein und hilflos.

Ich weiß, dass jetzt einige aufschreien, weil sie das so niemals beschreiben würden.

Aber es ist realistisch genau diese Situation: Ich möchte etwas haben oder etwas machen, werde daran aber durch irgendwen oder irgendetwas gehindert und das bremst mich aus. (Ein Freund empfahl deshalb den Begriff „Motivationsbremse“ statt “geringem Selbstwertgefühl”).

Was ist, wenn ich ausgebremst werde, wenn sich mir eine Mauer in den Weg stellt?

Natürlich fühle ich mich dann (erstmal) schwach und nicht stark. Und natürlich fühle ich mich dann (erstmal) ohne Macht und nicht voller Macht. Und natürlich sehe ich dann (erstmal) keinen Ausweg und fühle mich hilflos.

Dieser Teil des Prozesses, der in Zehntelsekundenschnelle abläuft, findet auf dem rechten Zweig meines Selbstwert-Logikbaumes statt.

Da dieser Fußballer sich aber nicht hilflos und klein fühlen möchte, sucht er nach einer Lösung. Er will wieder in die Macht kommen und stark sein und sein Bedürfnis nach „wenigstens gerade noch so pünktlich zum Anpfiff“ stillen.

Da sieht er meine Einfahrt, günstig nahe zum Sportplatz gelegen. „Super! Da stelle ich mich hin!“ Und wie wunderbar, dass er damit auch noch die Rechte anderer – nämlich meine – verletzen kann. Dadurch fühlt er sich nämlich noch großartiger und stärker.
Es ist ein bewährtes Mittel, dass wir unser „Klein-fühlen“ auf Kosten anderer verändern.

Dieser Fußballer hat sein Bedürfnis auf meine Kosten und auf die Kosten meiner Gäste, die dann nicht mal auf meinem für sie reservierten Parkplatz parken konnten, gestillt. Was für ein toller, starker Mann! Der weiß, was er will und der setzt sich durch. So einen braucht man im Team. Mit dem geht es voran. Oder?

Die Sache aus meiner Sicht betrachtet, ist im Grunde genauso: Mein Wunsch und Bedürfnis ist es, dass mein Eigentum, meine Freiheit und mein Gewerbe respektiert werden. Und alle, die das nicht tut, die sich in meine Einfahrt stellen oder auf meinen Parkplatz, obwohl sie nicht vorhaben meine Gäste zu werden, und alle, die mein Eigentum kaputt machen oder mir etwas klauen, lösen in mir genau das gleiche Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht und Mich-klein-fühlen aus.

Ich hatte an dem Tag (wie jedes Wochenende im Sommer) die Straußwirtschaft geöffnet und hatte alle Hände voll zu tun. Natürlich habe ich kurz drüber nachgedacht, ob ich mich wehren und dadurch wieder stark fühlen kann. Aber es war klar, dass ich meine Prioritäten bei meinen Gästen legen musste.

Und so blieb und bleibt mir in diesen Situationen nur das Schimpfen.

Das gehört genauso wie das Falschparken des Fußballers zu den bewährten Methoden, sich auf Kosten anderer zu stärken.

Ich mache den Falschparker verbal runter und stelle mich moralisch und tatsächlich über ihn:Ich bin nicht so doof. So was würde ich niemals tun. Der hat überhaupt keinen Anstand. Dem sollte man, ….” (Ich zähle hier jetzt nicht alles auf, was mir in den Sinn kam und was mir andere vorgeschlagen haben.)

Tja, was lernen wir daraus?

  1. Es ist ein völlig natürlicher Vorgang, dass wir immer wieder an Grenzen stoßen, und es gibt kein Leben ohne sie.
  2. Wenn es uns nicht gut geht, wenn wir unter Druck sind, genervt und gestresst, suchen wir uns gerne Opfer aus, auf deren Kosten wir uns stärken können.
  3. Leider trifft das in aller Regel die Falschen, die nämlich nicht die eigentliche Ursache für unsere schlechte Laune und unser Mies-fühlen sind.
  4. Ich muss immer dafür sorgen, dass es mir gut geht – und Du auch! – Nur dann nämlich kann ich relaxt sagen „Was soll´s? Dann soll er halt da stehen. Meine Gäste finden schon einen anderen Parkplatz, wenn sie wirklich zu mir wollen.“
    Oder aus Sicht des Fußballers „Was soll´s? Auf die wenigen Minuten kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an. Dann laufe ich eben ein bisschen schneller.“
    Oder er plant halt seine Zeit besser ein und fährt früher los und bekommt dann einen der näher zum Sportvereinshaus gelegenen Parkplätze.

Ich vermute Du kennst ähnliche Situationen.
Denn immer wieder und überall gibt es Parkprobleme. Und wenn Du das vielleicht auch selbst nicht machst, so hast Du aber schon viele Falschparker gesehen und Dich mehr oder weniger über sie aufgeregt.

Wann war es mehr? Wann war es weniger?

Genau: Wir regen uns mehr drüber auf, wenn es uns nicht gut geht. Und wir regen uns weniger drüber auf, wenn es uns super gut geht.

Also sorge Du gut für Dich, weil Du nur dann ein starkes Selbstwertgefühl hast und angemessen mit solchen Situationen umgehen kannst!
Und nur dann kannst Du zu einer besseren Welt beitragen.

So, ich gehe davon aus, dass Du nun verstanden hast, was Dein Selbstwertgefühl mit dem Parken zu tun hat. Aber ich freue mich trotzdem über Deinen Kommentar dazu!

Wenn Du mehr über den Selbstwert-Logikbaum wissen möchtest, dann klick mal hier. Ich lade Dich zu meinem kostenlosen Webinar dazu ein.

Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du immer gut für Dich sorgen kannst!

Deine Christiane Kilian

 

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