Was die Sparkasse mit unsrer Weiblichkeit zu tun hat

Ein Beitrag zur Blogparade von Mara Stix mit dem Thema
„Der weibliche Weg zum Erfolg“

Gerade letzte Woche habe ich ein neues Konto bei der Sparkasse eröffnet. Ich hatte mich gut über Vertragsbedingungen und Kosten informiert und mich dann aus verschiedenen Gründen (die in diesem Artikel keine Rolle spielen) für die Sparkasse entschieden. Die Beraterin war sehr nett, erklärte alles gut, füllte die Formulare aus und gab sie mir zur Unterschrift. Als ich sie las, bekam ich einen Schock und überlegte kurz, ob ich doch alles rückgängig mache und mir eine andere Bank suche, ließ es dann aber bleiben und korrigierte stattdessen die Formulare, bevor ich unterschrieb.

Was war der Grund?
2016 (!!!) werden in den Formularen der Sparkasse immer noch konsequent nur die Männer angesprochen. DER Kontoinhaber, DER Vertragspartner, DER Unterschriftsberechtigte, DER Teilnehmer am Online-Banking. Immerhin fiel mir nicht noch „und seine Ehefrau“ ins Auge!

Mehr als 30 Jahre ist es her, dass ich in einem katholischen (!) Frauenseminar die für mich beglückende Erfahrung machen durfte, explizit als Frau angesprochen zu werden. Die Seminarleiterin wies nicht extra auf diese Besonderheit in ihrer Wortwahl hin, aber mir fiel deutlich und bewusst auf, dass auf einmal ich ganz persönlich genannt wurde und gemeint war, da nur von Teilnehmerinnen, Gruppenleiterinnern und Frauen die Rede war und JEDE von uns IHREN Beitrag leistete. KEINE hat IHRE Sachen liegen lassen und schon gar nicht „eineR von euch SEINEN Lippenstift“, sondern einE IHREN Lippenstift!
Diese Erfahrung, direkt als Frau wahrgenommen und angesprochen zu werden, hat mich, mein Denken und meine Sprache nachhaltig geprägt.

Und ich bin ehrlich entsetzt und schockiert darüber, dass zu Zeiten des Gendermainstreaming sich die Sprache/das Sprechen und davor auch das Denken immer noch nicht grundlegend geändert haben (s. Sparkasse).
Dabei ist doch inzwischen wirklich bekannt, wie wichtig die Wortwahl ist! Bei Werbeslogans wird jeder einzelne Buchstabe überprüft und bewertet, ob er zu der zu transportierenden Botschaft passt oder nicht.
Und wir feilen lange an unseren Glaubenssätzen und einschränkenden Überzeugungen, um sie zu befreienden positiven Sätzen umzuformulieren.
Und doch werden wir Frauen noch so oft in der Sprache ignoriert!

Mara Stix, der ich ganz herzlich für den Anstoß zu diesem Artikel danke, schafft es zwar nicht zu hundert, aber doch sicherlich zu 90 % ihre weibliche Zielgruppe auch direkt als Klientinnen und Kundinnen anzusprechen. Aber die Regel ist das leider auch unter Frauen noch nicht.
In den 70er und 80er Jahren hat Luise Pusch, die große feministische Linguistin, zu dem Thema wunderbar witzige Glossen verfasst, die heute an ihrer Aktualität überwiegend nichts verloren haben und in ihren Büchern „Das Deutsche als Männersprache“ und „Alle Menschen werden Schwestern“ nachzulesen sind.

Wenn Du Tipps haben möchtest, wie Du Frauen in Deiner Sprache sichtbar machen kannst, dann trage Dich in den Button unter diesem Blogbeitrag ein!

 

Mach Dir mal Folgendes bewusst:
Was tust Du/was tun andere, wenn sie einen Menschen so gar nicht leiden können, ihn (den Menschen) so richtig ver-achten und ihm das auch zeigen wollen?
Die allerbeste Methode ist es doch, diesen Menschen komplett zu ignorieren, ihn zu übersehen, ihn wie Luft zu behandeln und einfach gar nicht zu be-achten.
Und genau das passiert heute immer noch mit uns Frauen, wenn wir nicht genannt und nicht angesprochen werden.
Und genau dieses Verhalten ist uns aber von klein auf nicht nur bekannt, sondern sogar total vertraut. Und so höre ich auch immer wieder von Frauen – und vielleicht sagst Du das auch? – „Ach, ich bin nicht so kleinlich; ich fühle mich schon mitgemeint!“

Du hast es sicherlich auch schon erlebt, dass Du mit Namen angesprochen wirst, wenn Du z.B. in Dein Stamm-Restaurant oder Dein Stamm-Geschäft (z.B. zur Friseurin) kommst. Ich spüre in dem Moment, dass ich ganz persönlich gemeint bin, dass ich gesehen werde und sichtbar bin. Es ist eine Wertschätzung meines Menschseins und meines Daseins.
Wenn Du Frauen dann benennst, wenn Du sie meinst, dann drückst auch Du Deine Wertschätzung ihnen gegenüber aus.
Dass ich auf Sprache achte und versuche genau das auszudrücken, was ich meine, ist also nicht „kleinlich“, sondern kommt aus dem Wissen und der Erfahrung heraus, dass Sprache wirkt und dass ich mit meinen Worten Botschaften transportiere. Ich will, dass Frauen gesehen und wahrgenommen werden, also benenne ich sie auch.
Wenn Du selbst sichtbar sein willst und es sogar immer mehr werden willst, wenn Du Frauen ernstnehmen und sie wertschätzen willst, dann benenne Dich und sie und sprich uns als Frauen an!

Du meinst, geschlechtergerechte Sprache ist so kompliziert und nicht flüssig genug, wenn Du „Kundinnen und Kunden“ sagen musst, „Freundinnen und Freunde“, „Kolleginnen und Kollegen“?
Dann halte es doch einfach mit Luise Pusch, die festgestellt hat, dass wir das „schöne lange Femininum als Grundform“ nehmen können und das „kurze, quasi abgehackte Maskulinum als Schwundform, auch Schrumpf-, reduzierte oder Kümmerform genannt. Biolinguistinnen haben die staunende Männerwelt darauf aufmerksam gemacht, dass die Relation zwischen Grund- und Schwundform auffällig an die zwischen X- und Y-Chromosom erinnert.“ (Pusch, 1995, „Alle Menschen werden Schwestern“ S. 97)

Solange wir noch nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit in unserer Sprache die Männer unter den Tisch fallen lassen können, wie es mit uns Frauen seit Jahrhunderten geschieht, solange haben wir noch keine wirkliche Gleichberechtigung.

Trage auch Du etwas zum weiblichen Erfolg bei und achte auf Deine Sprache!

Mit einem herzlichen Glück auf grüßt Dich

Deine Christiane Kilian

 

2 Comments

  • Tanja

    2. Oktober 2016

    Hallo Christiane,
    toller Artikel und das mit der Sparkasse hätte ich nicht gedacht. Ich habe schon lange keinen Vertrag mehr unterschrieben aber bei meinen Steuererklärungen komme ich mir auch eher benachteiligt vor, denn die Ehefrau steht erst an zweiter Stelle und das Familienoberhaupt an erster.

    Ich freue mich sehr, dass du im she-preneur insider club mit dabei bist. Ich bin schon gespannt darauf dich näher kennenzulernen und du wirst in den nächsten Wochen auch noch mehr über mich und mein Vorhaben erfahren.

    LG!
    Tanja

    • Christiane Kilian

      3. Oktober 2016

      Glück auf, liebe Tanja, ich freue mich, dass Du demnach auch sensibel auf Sprache und Wortwahl achtest und noch mehr, endlich hier im Netz eine Mitstreiterin für gerechte Sprache gefunden haben.
      Bezüglich des she-preneur insider clubs (schade, dass es im englischen überwiegend egal ist, ob Mann oder Frau – “Insiderinnen”) Christianebin ich echt mal gespannt, wie wir miteinander vorwärts kommen! Danke für Dein Angebot! Christiane