Wir trösten und verzeihen

Wir trösten und verzeihen!

So lautet der fünfte Satz unserer Hausordnung.

Hm, trösten! Das heißt ja, dass jemand traurig ist, dass bei ihm oder ihr etwas schief gegangen ist oder dass jemand unglücklich ist.

Also ehrlich gesagt ist es mir lieber, wenn ich nicht trösten muss. Mir ist die Haltung „Es kommt immer so, wie es kommen muss“ lieber und mit der muss man auch nicht traurig oder unglücklich sein.

Allerdings setzt das Trösten ja Einfühlungsvermögen und Mitgefühl, also Empathie voraus. Und das ist mir alles sehr wichtig!

Statt „wir trösten“ hätte ich vielleicht in unsrer Hausordnung  „wir sind mitfühlend und verzeihend“ formulieren sollen?
Nun gut, jetzt ist sie so, wie sie ist, und das ist für mich kein Grund darüber traurig zu sein und mich trösten lassen zu müssen. So siehst Du aber, dass ich auch nicht so perfekt bin, wie ich gerne wäre. Zwinker-Smilie
Wir haben in dem Moment genau die Hausordnung kreiert, die wir für richtig hielten und brauchen es deshalb nicht bereuen. Womit ich wieder bei meinem dritten Blogartikel zu dem Satz “Wir halten unsere Versprechen” wäre.

Verzeihen ist aber ein ganz wichtiger Aspekt bei uns. In aller Regel verletzen wir andere Menschen nicht, um sie zu verletzten, sondern – wie ich schon in meinem zweiten Blogartikel zu „Wir gehen respektvoll miteinander um“ geschrieben habe – wir verletzen andere, um uns dadurch selbst über sie zu stellen und unser Selbstwertgefühl zu stärken. Und wenn ich diese Erkenntnis habe, dann kann ich gut verzeihen. Denn dann wollte sie/er mir ja nicht weh tun, sondern sie/er hat versucht, sich selbst etwas Gutes zu tun – allerdings auf meine Kosten.

Mein Mann hat mir in unserer Beziehung anfangs öfter mal vorwurfsvoll gesagt „Au, das tut mir weh“, wenn ich ihn aus Versehen mal berührt/angerempelt habe. Aber es war eben aus Versehen und nicht absichtlich. Und dann brauche ich dem/der anderen deshalb keinen Vorwurf zu machen. Und durch das Wissen um die Hochsensibilität und dass es eben Menschen gibt, die in die eine oder andere Richtung besonders ausgeprägte Sinne haben, kann ich seine Haut-Empfindlichkeit und dadurch seine Reaktion nun auch gut verstehen.

Heute gibt er mir nur noch die Info, dass ihm etwas weh getan hat, und sagt dann dazu: „Ich weiß, dass es nicht absichtlich war.“ Und so kann ich mich dann auch ganz leicht entschuldigen bzw. in so einer Situation auch jemand anderen verzeihen.

Wobei: Das Wort „entschuldigen“ gefällt mir nicht, weil da eine Schuld drin steckt, die ich getragen oder mir aufgeladen habe und die ich nun wieder loswerden will. Wenn ich aber ohne böse Absicht geredet oder gehandelt habe, so habe ich meiner Ansicht nach keine Schuld auf mich geladen. Und ohne Schuld gibt es nicht zu entschuldigen. Oder?

Ich wünsche Dir, dass Du keinen Anlass hast, weshalb Du getröstet werden müsstest, und dass Du nicht verzeihen musst, weil Dir niemand etwas Böses tut!

Deine Christiane Kilian

 

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